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einBlick: Tech-Boom sorgt für Indexanpassung

Knapp neuneinhalb Billionen Dollar sind die fünf größten Technologiekonzerne der Welt wert: Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet und Nvidia. Das ist fünfmal so viel wie alle 40 DAX-Konzerne zusammen. Diese gigantischen Bewertungen haben inzwischen auch große Auswirkungen auf die Zusammenstellung verschiedener Indizes. Die sechs größten Werte im Nasdaq 100 erreichten zuletzt ein Gewicht von mehr als 50 Prozent. Das bedeutet: Wer einen Indexfonds auf den Nasdaq kauft, diversifiziert immer weniger und setzt stattdessen sein Geld auf eine Handvoll Techgiganten. Nicht umsonst wird der Index vom Marktbeobachtern scherzhaft auch als „Microsoft-Apple-Nvidia-Amazon-Meta-Tesla-Alphabet-Index“ bezeichnet.

Der Rendite hat das bisher noch nicht geschadet: Der Nasdaq-100-Index, der als wichtigster Tech-Aktienindex gilt, obwohl er auch zahlreiche Nicht-Tech-Werte wie PepsiCo und Starbucks enthält, hat zwischen Januar und Juni knapp 40 Prozent zugelegt. Das war sein bestes erstes Halbjahr überhaupt und auch mehr als während der Internetblase zur Jahrtausendwende. Zum Vergleich: Der bekannte US-Leitindex Dow Jones legte im gleichen Zeitraum nur um etwa 5 Prozent zu.

Damit Fondsmanager nicht gegen Vorgaben der US-Börsenaufsicht verstoßen, war der Indexanbieter beim NASDAQ 100 jetzt allerdings zum Handeln gezwungen: Laut der Diversifizierungsregel der Aufsichtsbehörde darf das Gesamtgewicht der größten Aktienbestände (die einen Anteil von 4,5 Prozent oder mehr haben) insgesamt nicht mehr als 48 Prozent betragen. Damit ETFs, die den Index nachbilden, oder Fondsmanager, die sich an ihm orientieren, nicht gegen diese Regelung verstoßen, mussten die Anteile der größten „Schwergewichte“ verringert werden. Die Neugewichtung erfolgte dabei auf Basis der aktuellen Titel. Es kamen also keine weiteren Aktien hinzu, um die Gewichtung zu „verwässern“.

Konkret fiel der Anteil der sieben größten Unternehmen von 56 Prozent auf 44 Prozent. Mit fast 3 Prozent fiel die „Schrumpfung“ bei den Unternehmen Microsoft und Nvidia am größten aus. Im Gegenzug stiegen die Gewichte der 93 übrigen Aktien. Beispielsweise stiegen die Anteile des Halbleiterherstellers Broadcom um 0,6 Prozentpunkte, während die des Softwarekonzerns Adobe und des Telekommunikationsspezialisten Cisco um jeweils 0,4 Prozentpunkte nach oben gingen. Weitere Gewinner sind etwa die Kaffeehauskette Starbucks, Booking Holdings (das das Online-Reiseportal booking.com besitzt) und das Pharmaunternehmen Gilead Sciences.

Freuen kann sich über die Anpassung auch die Deutsche Telekom. Denn die US-Tochter „T-Mobile US“ wird ebenfalls im NASDAQ geführt und macht etwa 1 Prozent des Gesamtgewichts aus. Wenn die Nachfrage nach diesen Aktien steigt, hat dies auch einen positiven Einfluss auf die Bewertung der US-Tochter in der Bilanz der Deutschen Telekom (sie hält aktuell 50,43 Prozent am US-Mobilfunkanbieter).

Gerade für die großen Werte im Index hielten sich die kurzfristigen Auswirkungen der Anpassung aber in Grenzen. Die Kurse der großen Unternehmen und auch der NASDAQ insgesamt konnten in den Tagen nach der Umschichtung sogar leicht zulegen. Jenseits der aktuellen Tagesentwicklungen ergeben sich aus der Nasdaq-Reform in den USA zwei langfristige Szenarien, auf die Anleger ein besonderes Augenmerk richten sollten:

Falls der anhaltende Boom im Bereich Technologie und Künstliche Intelligenz (KI) sich unvermindert fortsetzt, könnte dies dazu führen, dass Unternehmen wie Apple, Microsoft und ähnliche weniger starken Einfluss auf die Aufwärtsbewegung des Nasdaq-100-Index ausüben werden. In diesem Fall könnte die Performance der amerikanischen Technologiebörse etwas gedämpfter sein als bisher. Im Gegenzug könnte die Nasdaq zukünftig widerstandsfähiger sein, wenn die Kurse der stark gestiegenen und hoch bewerteten Aktien der aktuellen Tech-Größen eines Tages an Wert verlieren oder sogar stark zurückgehen. In diesem Szenario würde die Nasdaq weniger stark beeinträchtigt werden.

Die grundsätzliche Diskussion um die schlechte Diversifikation von vielen US- oder Welt-Indizes wird in jedem Fall weitergehen. Schon länger in der Kritik ist vor diesem Hintergrund auch der beliebte „MSCI World“. Das Portfolio des Index deckt immerhin 1.513 Unternehmen aus 23 Industrienationen. Die meisten Anleger gehen daher auch von einer breiten Streuung der Anlagen aus, die die Schwankungen des Index verringern sollen. Schaut man sich die Gewichtungen der Länder und Einzelwerte aber genauer an, erkennt man aber auch hier Klumpenrisiken. Die zehn größten Positionen kommen hier alleine auf ein Gewicht von fast 20 Prozent. Auch hier dominieren die großen Technologie-Aktien. Die restlichen gut 80 Prozent verteilen sich auf die übrigen 1.500 Unternehmen auf.

Auch bei der Ländergewichtung fällt ein Ungleichgewicht auf. Für einen „Welt-Index“ sollte der Anteil von 70 Prozent US-Aktien den ein oder anderen Anleger dann doch kräftig überraschen. Für Euro-Anleger ist dies besonders relevant, da sie damit auch einem Währungsrisiko ausgesetzt sind. Wird der Dollar im Verhältnis zum Euro schwächer, wirkt sich das auch negativ auf die Performance ihrer Anlage aus. Im umgekehrten Fall können sie aber auch von einer Dollarstärke profitieren.

Befürworter des Index geben aber zu bedenken, dass die Gewichtung der Unternehmen nach der Marktkapitalisierung nicht umsonst der Regelfall bei der Indexerstellung ist. Die wertvollsten Unternehmen sind schließlich nicht ohne Grund in einer marktbeherrschenden Position. Ihre Produkte oder Dienstleistungen sind in der Regel weltweit angesehen und nicht mehr aus dem Leben der Menschen wegzudenken. Ein hoher Marktanteil, stabile Bilanzen und hoher Cashflow machen sie darüber hinaus auch in Krisenzeiten besonders widerstandsfähig. Dies hat auch der MSCI World gerade in schwierigen Börsenjahren immer wieder bewiesen.

Wer sich trotzdem eine breitere Streuung in seinem Welt-ETF haben möchte, muss aber nicht auf eine etwaige Anpassung des MSCI World warten. Am Markt gibt es schon längst Alternativen, die vermeintliche Schwächen des Welt-Index vermeiden wollen. Wen etwa der hohe USA-Anteil im Index stört, kann auf den MSCI World All Countries zurückgreifen, der auch 26 Schwellenländer wie China in das Portfolio aufnimmt. Noch kleiner wird das Gewicht von Aktien aus den Vereinigten Staaten, wenn die Ländergewichtung nach der Höhe des BIP gewichtet wird. Hier verringert sich die US-Quote von knapp 70 auf etwa 30 Prozent. Darüber hinaus gibt es inzwischen auch Welt-Indizes, die alle Unternehmen genau gleich gewichten. So ist sichergestellt, dass kein Land oder Einzelunternehmen ein Übergewicht im Index besitzt. Der Performance hätte diese Allokation in den letzten Jahren des Technologie-Hypes aber eher geschadet.

Übrigens: Wer Angst vor einer regulatorischen Anpassung des DAX hat, kann an dieser Stelle beruhigt werden. Die fünf größten Unternehmen im deutschen Leitindex vereinen zusammen „lediglich“ etwa 37 Prozent des Index-Gewichts auf sich. Ein Eingreifen wird hier also erstmal nicht nötig werden.


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